Am 30. Dezember 2024 haben Anna Radtke und Nikol Rummel einen Artikel in Computers and Education: Artificial Intelligence veröffentlicht. Der Artikel präsentiert empirische Erkenntnisse über das Korrekturverhalten von Lernenden bei der Bearbeitung von KI-Texten.
Die Ergebnisse zeigten Unterschiede in der Zeit, die die Lernenden mit der Überarbeitung von KI-generierten Inhalten verbrachten, im Vergleich zu ihrem Revisionsverhalten bei der Überarbeitung von Texten, die von Gleichaltrigen geschrieben wurden. So überarbeiteten die Teilnehmer:innen schneller, wenn sie darüber informiert waren, dass ein Text von einer KI geschrieben wurde. Die Forschenden fanden jedoch keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die tatsächliche Bearbeitung von vermeintlich von Gleichaltrigen geschriebenen und KI-generierten Texten durch die Lernenden (Anzahl der am Text vorgenommenen Änderungen).
Abstract
Die Rolle der generativen künstlichen Intelligenz (KI) in der Bildung hat sich in den letzten Jahren erheblich erweitert. KI-basierte Textgeneratoren wie ChatGPT bieten ein zugängliches und effektives Werkzeug für Lernende, insbesondere beim akademischen Schreiben. Obwohl die Überarbeitung ein wesentlicher Bestandteil sowohl des individuellen als auch des kollaborativen Schreibens ist, ist die Forschung über die Überarbeitung von KI-generierten Texten noch begrenzt. Mit dem zunehmenden Einsatz generativer KI in der Bildung wird jedoch die Fähigkeit der Lernenden, KI-generierte Inhalte effektiv zu überarbeiten, in Zukunft wahrscheinlich immer wichtiger werden. Ziel dieser Studie war es, zu untersuchen, ob Lernende ein unterschiedliches Revisionsverhalten zeigen, wenn sie unterschiedliche Informationen über Autor:innen eines Textes erhalten (Peer vs. KI).
Darüber hinaus untersuchten wir den Einfluss von Vorerfahrungen, Einstellungen und Geschlecht der Lernenden auf die Textüberarbeitung. Zu diesem Zweck überarbeiteten N = 303 Lernende zwei verschiedene Texte: einen, der als von Kolleg:innen geschrieben, und einen, der als KI-generiert gekennzeichnet war. Die Ergebnisse zeigten, dass die Lernenden zwar weniger Zeit in die Überarbeitung eines als KI-generiert gekennzeichneten Textes investierten, die Informationen über Autor:innen jedoch keinen Einfluss auf die Anzahl der als verbesserungsbedürftig identifizierten Bereiche oder die Anzahl der vorgenommenen Überarbeitungen hatten. Darüber hinaus investierten Lernende, die angaben, dass sie im Vorfeld stärker mit Medienberichten über KI-basierte Textgeneratoren konfrontiert waren, ein höheres Maß an Vertrauen in KI hatten und dazu neigten, beim KI-gestützten Schreiben zu „faulenzen“, weniger Zeit in die Überarbeitung eines als KI-generiert gekennzeichneten Textes. Umgekehrt erkannten Lernende mit mehr Erfahrung im akademischen Schreiben mehr verbesserungswürdige Bereiche und nahmen umfangreichere Überarbeitungen vor, unabhängig von der angegebenen Autorenschaft.
Der komplette Artikel ist hier zu finden: Radtke, A. & Rummel, N. (2025). Generative AI in academic writing: Does information on authorship impact learners‘ revision behavior? Computers and Education: Artificial Intelligence, 8, Article 100350. https://doi.org/10.1016/j.caeai.2024.100350