Das Team „Research Data & Methods“ am CAIS – bestehend aus dem Leiter Prof. Dr. Johannes Breuer, den wissenschaftlichen Mitarbeitenden Dr. Marco Wähner und Ahrabhi Kathirgamalingam sowie den studentischen Hilfskräften Melanie Helmig und Hanna Vogel – unterstützt Forschende in allen Phasen des Forschungsprozesses. Es begleitet Forschende von der methodischen Planung über die Datenerhebung und -auswertung bis hin zur Veröffentlichung von Publikationen, Daten und anderen Outputs, entwickelt Konzepte und Materialien und trägt so aktiv zur exzellenten und innovativen Forschung am CAIS bei. Darüber hinaus forschen die Mitglieder des Teams zu methodischen und inhaltlichen Themen rund um die Digitalisierungsforschung.
Zum 1. September hat Prof. Johannes Breuer die Leitung des Teams übernommen. Gemeinsam mit Dr. Marco Wähner, der das Team zuletzt kommissarisch führte, haben wir über Entwicklungen, Herausforderungen und nächste Schritte gesprochen:
Johannes, du kommst ja mit deiner Berufung gewissermaßen zurück ans CAIS: Was hat sich in den letzten Jahren in Bereich der digitalen Daten & Methoden verändert?
Johannes: Die Entwicklung der Daten und Methoden in unserem Feld ist ähnlich dynamisch wie diejenige der Medienlandschaft selbst. Plattformen verändern sich, entstehen neu oder verschwinden auch wieder. Als Beispiele können wir hier an Facebook, Twitter bzw. X oder auch Snapchat und TikTok denken. Was sich zusammen mit den Plattformen verändert hat, sind die Daten, die sie erzeugen und der Zugang zu diesen. Es existieren zwar riesige Mengen an sogenannten digitalen Spurdaten, die für die Digitalisierungsforschung sehr interessant sind, aber es ist häufig nicht einfach, an diese heranzukommen. Zudem stellen sich wichtige Fragen zur Qualität und Nutzbarkeit solcher Daten. Und wenn wir die Daten dann haben, ist die nächste Frage, wie wir diese sinnvoll auswerten können. Auch hier gibt es immer wieder neue Methoden und Tools. Da mitzukommen und den Überblick zu behalten kann für Forschende eine echte Herausforderung sein. Mit dem Aufkommen von generativer KI und Large Language Models (LLMs) hat sich diese Entwicklung im Bereich Methoden und Tools nochmal enorm beschleunigt in den letzten Jahren.
Johannes und Marco, was sind die größten Herausforderungen, mit denen ihr es gerade zu tun habt? Und wie wollt ihr sie angehen?
Johannes: Zum einen sind dies die zuvor skizzierten Fragen zum Datenzugang. Der Digital Services Act (DSA) und insbesondere dessen Artikel 40 versprechen hier deutliche Verbesserungen für Forschende, aber es sind noch sehr viele Fragen offen; etwa hinsichtlich der Umsetzung des konkreten Zugangs oder der Datenqualität. Hier ist für unseren Arbeitsbereich die Schnelllebigkeit eine zentrale Herausforderung. Das betrifft insbesondere technische Entwicklungen und die Veränderungen bei großen Plattformen, v.a. im Bereich Social Media. Die Arbeitsweisen und Zeithorizonte in großen Tech-Unternehmen sind ganz andere als in der Politik und der Wissenschaft. Hier haben wir, wenn man so will, einen Geschwindigkeitsnachteil, der aber nötig ist, weil wissenschaftliche Forschung Zeit, Genauigkeit und Sorgfalt benötigt. Die derzeit besonders rasanten Entwicklungen im Bereich KI verstärken dies zusätzlich. Hier erscheinen ja tatsächlich täglich neue Modelle und Tools und alte werden obsolet. Wichtige Fragen ergeben sich hinsichtlich dieser Entwicklungen auch zur Forschungsethik. Wir versuchen als Team mit unseren verfügbaren Ressourcen bei diesen Themen „am Ball zu bleiben“ und den Forschenden am CAIS und darüber hinaus unser Wissen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig widmen wir uns auch in unserer eigenen Forschung aktuellen methodischen und forschungsethischen Themen.
Marco: Die Anforderungen an Wissenschaftler:innen steigen stetig, insbesondere wenn Daten erhoben und analysiert werden. An einem interdisziplinären Forschungsinstitut wie am CAIS, forschen die Wissenschaftler:innen an ganz verschiedenen Datentypen von Interviewdaten, über ethnographische Notizen bis hin zu großen Datensätzen beispielsweise aus sozialen Medien. Dies erfordert einen nachhaltigen Umgang mit den Daten und neue Anforderungen an die Forschenden. Wir stellen uns also immer auch die Frage, wie Daten oder auch Tools nachhaltig gesichert und nachnutzbar zur Verfügung gestellt werden können. Hierbei unterstützen wir die Forschenden entlang des gesamten Forschungsprozesses. Gemeinsame Standards und Routinen im interdisziplinären Kontext zu erarbeiten, ist dabei sicherlich eine Herausforderung, aber auch eine Chance, bestimmte Prinzipien wie beispielsweise Open Science am Institut zu festigen. Dies bezieht sich nicht nur auf Qualitätssicherung, durch Transparenz und Nachvollziehbarkeit kann auch das Vertrauen in Forschung gefördert werden. Und Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken, ist sicherlich eine allgemeine gegenwärtige Herausforderung.
Johannes & Marco, worauf freut ihr euch in der Zusammenarbeit mit dem Team am meisten?
Marco: Es fühlt sich ein bisschen wie „Zurück in die Zukunft“ an, denn wir haben mit dem früheren Team schon tolle Arbeit am CAIS gemacht und konnten uns in der Forschungslandschaft zu digitalen Daten und Methoden positionieren. Wir haben dabei immer offen und innovativ diskutiert und darauf freue ich mich nun auch: den Raum für Überlegungen zu haben, welche Daten und welche Methoden die Zukunft der Digitalisierungsforschung beeinflussen.
Johannes: Ich kann mich hier nur anschließen. Ich freue mich sehr darüber, wieder am CAIS zu sein und dass wir am Institut den Raum erhalten, um zu digitalen Daten und Methoden zu forschen und innovative und bedarfsgerechte Services für Forschende zu entwickeln. Ganz besonders freue ich mich auch auf die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden in den bestehenden sowie kommenden Forschungsprogrammen und anderen Abteilungen am CAIS.