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Mit Ministerin Ina Brandes in den USA

Prof. Nikol Rummel im Interview über Künstliche Intelligenz in der Bildung

Im März begleitete Prof. Nikol Rummel, Leiterin des CAIS-Forschungsprogramms "Bildungstechnologien und Künstliche Intelligenz", die NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes auf ihrer Reise in die USA. Im Mittelpunkt stand der Austausch rund um Chancen und Herausforderungen von KI mit Expert:innen von Universitäten in Washington, DC und Pittsburgh.

9. April 2026

Vom 8. bis 14. März 2026 reiste Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), gemeinsam mit einer Delegation aus Vertreter:innen von Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus NRW nach Washington und Pittsburgh. Ziel war es, eine umfassende Perspektive auf die Chancen und Herausforderungen Künstlicher Intelligenz (KI) zu gewinnen. Im Fokus stand der Austausch mit Expert:innen aus Verwaltung, Forschung, Bildung, Transformation und Industrie. Teil der Delegation war auch Prof. Nikol Rummel, Leiterin des CAIS-Forschungsprogramms „Bildungstechnologien und Künstliche Intelligenz“. Zu den Stationen der Reise zählten unter anderem Besuche an der Georg Washington University, der Carnegie Mellon University, dem Naval Research Laboratory, AI Strike Team und Google.

Interview mit Prof. Nikol Rummel

Prof. Nikol Rummel.
Foto: RUB, Damian Gorczany.

Im Interview schildert Nikol Rummel ihre Eindrücke, zentrale Erkenntnisse und ihre Einordnung der Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz.  

Liebe Nikol, du hast vor Kurzem als Teil einer Delegation die NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes in die USA begleitet und dort intensive Termine rund um das Thema Künstliche Intelligenz absolviert. Welche Gespräche oder Begegnungen sind dir rückblickend besonders im Gedächtnis geblieben? 

Besonders beeindruckt haben mich die Meetings an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh zur Simon Initiative mit Norman Bier (Executive Director) und Ken Koedinger sowie Marsha Lovett (Koordinator:innen der Simon Initiative) und zum Eberly Center for Teaching Excellence and Educational Innovation und dessen Generative AI Teaching As Research (GAITAR) Initiative mit Chad Hershock (Executive Director des Eberly Centers an der CMU) und Marsha Lovett (Wissenschaftliche Direktorin des Eberly Centers an der CMU). In diesen Meetings wurde sehr deutlich, welch ein hoher wissenschaftlicher Anspruch die Einführung von KI in der Lehre an der CMU begleitet. Exzellente Forschung und Entwicklung von technologie- und KI-gestützten Lehr-Lernarrangements mit der Praxis an Schulen und Hochschulen zu verzahnen, ist ein sehr hoher Anspruch. Ich fand es beeindruckend, zu sehen mit wieviel Herzblut und Engagement, aber auch mit wieviel Erfahrung und Professionalität dieser Ansatz an der CMU umgesetzt wird. Mit Blick auf Deutschland würde ich mir wünschen, dass wir ebenfalls eine ähnliche Verzahnung von Forschung, technischer Entwicklung und Lehr-Lernarragements versuchen zu erreichen. Meine Forschung ist ja genau in diesem Bereich angesiedelt und ich habe oft das Gefühl, dass die Notwendigkeit professionell und evidenzorientiert voranzuschreiten, nicht gesehen wird.

Du beschäftigst dich in deiner Forschung am CAIS mit Bildungstechnologien und Künstlicher Intelligenz. Wie wird dieses Thema in den USA aktuell diskutiert – und was hat dich im Vergleich zur deutschen Debatte überrascht oder nachdenklich gestimmt? 

Ganz ähnlich wie bei uns hat auch in den USA der Durchbruch von generativer KI hohe Wellen geschlagen und viele Fragen aufgeworfen. Auch in den USA haben Lernende und Lehrende rasch begonnen, entsprechende Tools, die auf generativer KI basieren,  zu nutzen und die Möglichkeiten auszuloten. Damit einhergehend stellten und stellen sich auch dort Fragen nach notwendigen Änderungen sowie Chancen im Bildungssystem, die hierdurch angestoßen werden. Allerdings scheint mir der Fokus der Diskussion in den USA eher auf den Möglichkeiten und Chancen und weniger auf den Gefahren zu liegen. Da nehme ich die Diskussion in Deutschland deutlich negativer wahr. Zudem verläuft die Debatte bei uns oft zwischen den Extremen: Einerseits wird relativ unreflektiert die digitale Revolution durch GenKI-Tools besungen; andererseits wird gleichzeitig der Untergang der Bildung, der nun zu erwarten sei, beklagt.

Welche konkreten Impulse nimmst du für deine eigene Forschung mit? Und wie kann diese Arbeit dazu beitragen, einen verantwortungsvollen KI-Einsatz in Bildungseinrichtungen zu unterstützen? 

Was ich mitnehme, sind vor allem Beobachtungen und damit verbundene Denkanstöße: Es ist möglich und lohnt sich, exzellente Forschung und Entwicklung und reflektierten, praxisnahen KI-Einsatz in Bildungsrichtungen zu verzahnen und mit Stakeholdern aus den verschiedenen Bereichen gemeinsam daran zu arbeiten, einen zukunftsweisenden und verantwortungsvollen Einsatz zu erreichen. Wieso hilft die Verzahnung? Weil nur dann ein verantwortungsvoller Einsatz möglich ist, wenn wir genug wissen und verstehen, wie sich der KI-Einsatz auf Lernen und Lehren auswirkt, wo die Herausforderungen liegen und wie wir dabei unterstützen können, diese zu überwinden – und das technisch aber auch anleitend. Hierzu braucht es Forschung, aber auch den engen Einbezug der betroffenen Personengruppen.

Sind auf der Reise konkrete Vereinbarungen oder Kooperationen entstanden, über die du sprechen kannst? 

Während unseres Aufenthalts in Pittsburgh wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen der CMU und der Digitalen Hochschule NRW (DH.NRW) unterzeichnet. In dieser wird die gemeinsame Erarbeitung eines Promotionsprogramms zum Rahmenthema KI-Innovationen in Forschung und Lehre avisiert. Das Programm soll sowohl gemeinsam betreute Tandempromotionen zwischen der CMU und NRW Universitäten ermöglichen, als auch Austausch und gegenseitige Aufenthalte im Rahmen der Promotionen. Für mich selbst ist ganz konkret eine Kooperationsmöglichkeit mit einem CMU Kollegen angestoßen worden, der im Sommer an die renommierte École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) wechseln wird. Er hat in den vergangenen Jahren an höchst innovativen Ideen zum Einsatz digitaler Technologien (z.B. Augmented Reality) im Klassenzimmer geforscht und wir möchten ab dem Sommer ein gemeinsames Projekt durchführen.

Zum Abschluss: Welche langfristige Perspektive siehst du für das Zusammenwirken von Forschung und Politik – gerade, wenn es darum geht, die Bildungslandschaft in NRW zukunftsfähig zu gestalten? 

Das ist eine sehr gute Frage, denn sie gibt mir die Gelegenheit, zu betonen, dass genau dieses Zusammenwirken etwas ist, was ich für Veränderung und Innovation in der Bildung für unverzichtbar halte. Ich habe in verschiedensten Veranstaltungen und Beiträgen in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen und sehe die nun erfolgte Delegationsreise als einen ersten Erfolg an, dass die Wichtigkeit des Zusammenwirkens in diesem Themenbereich auch von der Politik und von den Universitätsleitungen wahrgenommen wird. Wir haben uns auf der Reise einerseits Beispiele angeschaut und wir haben uns auch kennengelernt. Ich trage mich in der Hoffnung, dass dabei Kontakte entstanden, die eine Grundlage für ein solches Zusammenwirken bilden können.

Zu den Stationen der Delegation gehörten u.a. Besuche an der Georg Washington University, Carnegie Mellon University, Naval Research Laboratory, AI Strike Team und Google. Foto: MKW NRW

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