In dem Interview spricht Dr. Marco Wähner über grundlegende Veränderungen öffentlicher Kommunikation im digitalen Zeitalter. Ausgangspunkt seiner Einordnung ist die Beobachtung, dass politische Meinungsbildung heute in hohem Maße durch digitale Plattformen strukturiert wird. Diese Plattformen seien nicht nur technische Infrastrukturen, sondern wirkten aktiv auf Sichtbarkeit, Reichweite und Wahrnehmung gesellschaftlicher Themen ein. Marco Wähner macht deutlich, dass algorithmische Auswahlmechanismen mit darüber entscheiden, welche Inhalte Aufmerksamkeit erhalten – und damit auch, welche Positionen in öffentlichen Debatten dominieren.
Dabei betont er, dass diese Prozesse keineswegs neutral seien. Vielmehr folgten Plattformen eigenen ökonomischen Logiken, die mit demokratischen Idealvorstellungen nicht automatisch vereinbar seien. Öffentliche Kommunikation verändere sich dadurch grundlegend: Sie werde fragmentierter, emotionaler und stärker auf Zuspitzung ausgerichtet. Marco Wähner weist darauf hin, dass politische Akteure diese Bedingungen zunehmend strategisch nutzen, was neue Herausforderungen für demokratische Öffentlichkeit und politische Deliberation mit sich bringe.
Zugleich warnt er davor, technologische Entwicklungen isoliert oder technikdeterministisch zu betrachten. Digitale Medien wirkten immer im Zusammenspiel mit sozialen, politischen und institutionellen Rahmenbedingungen. Verantwortung liege daher nicht allein bei den Plattformen, sondern auch bei Politik, Medien, Bildungseinrichtungen und Nutzer:innen selbst. Medienkompetenz versteht Marco Wähner in diesem Zusammenhang als zentrale Voraussetzung dafür, digitale Öffentlichkeiten kritisch einordnen und aktiv mitgestalten zu können.
Insgesamt plädiert Marco Wähner für eine differenzierte Auseinandersetzung mit digitalen Technologien: Statt pauschaler Euphorie oder Alarmismus brauche es eine reflektierte Analyse ihrer gesellschaftlichen Wirkungen. Nur so lasse sich verstehen, wie digitale Kommunikation Demokratie verändert – und unter welchen Bedingungen sie demokratische Prozesse stärken oder schwächen kann.