Wie verändert politisches Handeln unser Selbstbild? Dieser Frage widmet sich das Paper „I voted therefore I am (not) – Political self-effects in the context of the U.S. and German Federal Elections” von Jana Dreston (Universität Duisburg-Essen), Dr. Josephine B. Schmitt, wissenschaftliche Koordinatorin am Center for Advanced Internet Studies (CAIS), und Jun.-Prof. Dr. German Neubaum (Universität Duisburg-Essen), welches zur 76. Jahrestagung der International Communication Association angenommen wurde. Die Tagung findet vom 4. bis 8. Juni 2026 in Kapstadt, Südafrika, statt. Die Autor:innen stellen unter dem Titel „I voted therefore I am (not) – Political self-effects in the context of the U.S. and German Federal Elections“ die Ergebnisse einer Zwei-Wellen-Studie zur US-Wahl im November 2024 (N = 1,148) und zur Bundestagswahl im März 2025 in Deutschland (N = 658) vor.
Die Forschenden untersuchten in ihrer Studie bei Wählenden dieser sehr unterschiedlichen Wahlsysteme, ob und wie sich das Wählen – besonders in Verbindung mit politischer Kommunikation auf Social Media – auf die Selbstwahrnehmung der Wählenden auswirkt. Entgegen ihren Hypothesen finden die Autor:innen keine Hinweise darauf, dass der Gang zur Wahl politische Selbstkonzepte stärkt. Stattdessen werden die meisten politischen Selbstbilder nach dem Wählen eher schwächer; lediglich die affektive Polarisierung bleibt unverändert. Auch verschiedene Formen der Online-Kommunikation über Politik (z. B. politische Diskussionen in sozialen Medien) verstärken diese Effekte nicht. In den USA führt jedoch das Teilen der eigenen Wahlentscheidung über soziale Medien zu einer erhöhten wahrgenommenen Polarisierung. Explorative Analysen zeigen zudem, dass die Wirkung des Wählens je nach Wahlentscheidung variiert: Wählerinnen der unterlegenen Kandidatin Kamala Harris berichten rückläufige politische Selbstkonzepte, während sich bei Trump-Wählerinnen das gegenteilige Muster zeigt. Ein ähnlicher Unterschied zwischen Wähler:innen einer Gewinner- versus Verliererpartei ließ sich in Deutschland nicht replizieren.
Die jährliche Konferenz der International Communication Association (ICA) ist eine der weltweit größten wissenschaftlichen Tagungen im Bereich Kommunikations- und Medienwissenschaft. Jährlich nehmen rund 3.000 Forschende aus zahlreichen Ländern teil und präsentieren in mehreren hundert Panels, Vorträgen und Poster-Sessions aktuelle Forschungsergebnisse und theoretische Entwicklungen der Kommunikationswissenschaft. Das diesjährige Konferenzthema lautet „Communication and Inequalities in Context“.
Weitere Informationen zur International Communication Association (ICA) Conference finden Sie auf der Webseite:
https://www.icahdq.org/mpage/ICA26