Da viele wichtige Entscheidungen, sei es politisch (z.B. Wahlen), persönlich (z.B. Beziehungsgestaltung) oder beruflich (z.B. Berufswahl), immer häufiger in digitalen Kontexten getroffen werden, muss der Einfluss dieser Kontexte (im Vergleich zu analogen Kontexten) untersucht werden. Das Ausmaß der digitalen Räume, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, ermöglicht es den Menschen heute, politische Entscheidungen zu treffen (vgl. Wahlen in Estland), Beziehungen zu beginnen, zu leben und zu beenden (vgl. “Cam-Kultur”) und zu arbeiten (vgl. “Remote Work”-Modelle), ohne jemals ihre Wohnung zu verlassen oder jemanden physisch zu sehen oder mit ihm zu interagieren. Entscheidungen, die in digitalen Räumen getroffen werden, unterscheiden sich von analogen Entscheidungen z. B. in Bezug auf physische Nähe, psychologische Distanz, Grad der Interaktion (und damit verbundene affektive Reaktionen), Kommunikationsbeschränkungen (z. B. SMS), Synchronität, Anonymität und andere Faktoren. Das Ziel dieses Projekts ist es, die Auswirkungen dieser Unterschiede auf die Emotionen und Ergebnisse bei tatsächlichen, lebenswichtigen Entscheidungen zu untersuchen. Die Rolle der Empathie bei solchen Entscheidungen ist von besonderem Interesse, da viele (wenn nicht alle) solcher Entscheidungen auch Auswirkungen auf andere Menschen haben. Im Laufe der nächsten drei Jahre kann dieses Projekt experimentelle Studien in digitalen und nicht-digitalen Umgebungen, Aktionsforschung im Feld und die Erhebung von Umfragedaten umfassen.
